Fangjagdlehrgang des VFöS e.V. am 9. und 10. Oktober 2004

Artikel für DpS – Ausgabe Dezember 04

Durchgeführt wurde das zweitägige Seminar durch Herrn André Westerkamp,
Inhaber der Fangjagdschule Weka in Barßel-Lohe.

Ziel des Seminars war das Erlangen der Sachkunde für die Fangjagd von Wirbeltieren, welche den Sachkundigen berechtigt, Wirbeltiere auf befriedeten Bezirken zu fangen und/oder zu töten. Eine für die anwesenden Schädlingsbekämpfer insofern interessante Sachkunde, sind sie doch nun in der Lage, Marder und Waschbären mittels der Fangjagd zu bejagen.

Den Auftakt des Seminars bildete eine allgemeine Einführung in die Biologie der zu bejagenden Wirbeltiere wie Marder, Fuchs und Waschbär, sowie die Klärung der Fragen: Was ist Schonzeit? Wie lange dauert sie an? Wann und wie wird beködert? Wo und wie kann die Fangjagd auf befriedetem Bezirk durchgeführt werden? Was ist tierschutzgerechter Fang? Gibt es Möglichkeiten der Vergrämung? Wo stellt man eine Falle sinnvoll auf?

Es folgte die praktische Einführung in die Techniken der Fangjagd. Hierzu stellte Herr Westerkamp verschiedene Fangeisen vor. Mit Nachdruck wies er auf die in der Bundesrepublik verbotenen Schlagfallen hin, die eine tierschutzgerechte Fangjagd nicht gewährleisten würden, und zeigte zwei Fallenarten, das Eiabzugeisen und die Conibearfalle, die bei sachgerechtem Einsatz keinerlei Leiden für das bejagte Wild darstellen würde.
Das zunächst vorgestellte Eiabzugeisen flößte den anwesenden Teilnehmern größten Respekt ein, zumal am Beispiel zweier Probanten, einem Wasserschlauch und einem Jutesack, die Schlagkraft der Falle vorgeführt wurde. Herr Westerkamp demonstrierte die einzelnen Schritte, die notwendig sind, ein Fangeisen einsatzbereit zu machen, ohne dem Aufsteller selbst Schaden zuzufügen. Und was bei dem Referentenrecht einfach aussah, erwies sich als recht kompliziert. Erster Fallensteller aus den Reihen der Kollegen war Herr Zobel. Nomen est Omen.

Neben den Fangeisen, die zum Schutz von Nichtzielorganismen lediglich in so genannten Fangbunkern aufgestellt werden dürfen, zeigte Herr Westerkamp noch verschiedene Arten von Lebendfallen. Diese Fallen, die weniger durch „High-Tech“ bestachen, sondern vielmehr durch die Einfachheit und Robustheit ihrer Bauweise beeindruckten, veranlassten einige Kollegen, geradezu Werksspionage in den heiligen Hallen der DEULA zu betreiben. Doch auch diese Fallen können letztlich ebenfalls zur Fangjagd eingesetzt werden. Sie dienen dann in erster Linie zur Selektion der bejagten Tiere (Katze, Eichhörnchen dürfen wieder raus, Marder bleibt drin und wird gegebenenfalls getötet.

Übergreifend wurden auch aus dem Jagdbereich Informationen vermittelt – z. B. das Lesen von Spuren; Erkennen der Kratzspuren von Waschbären und Mardern; was passiert mit dem gefangenen Wild?
Am 2. Seminartag wurde hierzu von Herrn Westerkamp eindrucksvoll vorgeführt, wie ein Marder gehäutet wird, damit das Fell verwertet werden kann.

Ein weiterer Teil des Seminars behandelte Krankheiten wie z. B. Tollwut, Räude, Borreliose, Fuchs-bandwurm, deren Übertragung durch die genannten Wildtiere, und ihre Auswirkungen.

Es stellte sich u. a. die Frage, ob eine Borreliose-Untersuchung bei Schäd-lingsbekämpfern von der Berufs-genossenschaft finanziert wird?

Am frühen Nachmittag wurden die Teilnehmer ins restliche Wochenende entlassen mit dem Hinweis, dass die Sachkundenachweise ihnen persönlich zugestellt werde.

Fazit: Insgesamt eine gelungene Veranstaltung durch die interessante
Präsentation des Referenten Herrn Westerkamp, aber auch durch die perfekte Organisation in der DEULA.

Die Teilnehmer wurden 2 Tage lang mit guter Verpflegung und Nervennahrung bei Laune gehalten.

Unser Dank gilt Herrn Thelen, der sich bereits im Vorfeld besonders engagiert hat, um den Übernachtungsgästen einen angenehmen Aufenthalt zu ermöglichen.

 

Interessenten, die an einem erneuten Fangjagdlehrgang teilnehmen möchten, können sich beim VFöS vormerken lassen. Wenn genügend Anfragen vorliegen, werden wir gerne einen neuen Lehrgang zur Erlangung der Sachkunde für den Fang von Wirbeltieren auf befriedeten Bezirken organisieren.
Kontakt: Fax 0201/5209551 oder info@vfoes.de.

Marita Eisengräber/Peter Lieving